Rezemo: Kaffeekapseln aus Holz

Rezemo gehört zu den spannendsten Beispielen dafür, wie selbst ein kleines Alltagsprodukt neu gedacht werden kann. Das deutsche Startup aus Filderstadt wurde mit Kaffeekapseln aus Holzspänen und PLA-Biokunststoff bekannt. Die Idee: Kapselkaffee soll bequem bleiben, aber weniger Aluminium und klassischen Kunststoff verbrauchen.

Rezemo: Kaffeekapseln aus Holz [Bildinhalt mit KI erstellt]
Rezemo: Kaffeekapseln aus Holz [Bildinhalt mit KI erstellt]

Ganz so einfach ist die Geschichte aber nicht. Denn nachhaltige Kaffeekapseln stehen und fallen nicht nur mit dem Material. Auch Entsorgung, Kaffeequalität, Preis, Maschinenkompatibilität und die tatsächliche Verwertung nach dem Gebrauch spielen eine Rolle. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf Rezemo, die Gründer, das Material, den Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ und die spätere Entwicklung rund um Gliss Caffee.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rezemo wurde von Julian Reitze und Stefan Zender gegründet und stammt aus Filderstadt in der Region Stuttgart.
  • Bekannt wurde die Marke 2019 durch den Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“.
  • Die Kaffeekapseln bestehen aus Holzspänen beziehungsweise Holzfasern und PLA-Biokunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen.
  • Die Kapseln wurden als Alternative zu Aluminium- und Kunststoffkapseln positioniert.
  • Die Entsorgung bleibt der kritische Punkt: Bioabbaubare Kunststoff-Kaffeekapseln gehören laut Bundesumweltministerium nicht in den Bioabfall.
  • 2024 wurde das Kaffeegeschäft inklusive der Wortmarke „rezemo“ an die Gliss Caffee GmbH verkauft.
  • Die ursprünglichen Gründer konzentrieren sich nach dem Verkauf stärker auf nachhaltige Verpackungslösungen unter der Marke forewood.

Was ist Rezemo?

Rezemo ist eine deutsche Marke für nachhaltigere Kaffeekapseln. Entwickelt wurde das Produkt von der rezemo GmbH aus Filderstadt. Die Gründer Julian Reitze und Stefan Zender wollten eine Alternative zu klassischen Kapseln aus Aluminium oder Kunststoff schaffen.

Der besondere Ansatz liegt im Material: Statt Aluminium setzt Rezemo auf Holzspäne beziehungsweise Holzfasern, die mit PLA-Biokunststoff verbunden werden. Dadurch entsteht eine Kapsel, die zu einem großen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Für Kaffeetrinker klingt das erst einmal nach einer eleganten Lösung. Kapsel rein, Kaffee raus, weniger schlechtes Gewissen.

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Doch bei Kaffeekapseln entscheidet nicht nur die Frage, woraus sie bestehen. Genauso wichtig ist, was nach dem Gebrauch passiert. Wird die Kapsel korrekt entsorgt? Wird sie tatsächlich verwertet? Oder landet sie am Ende doch in der Verbrennung? Genau hier wird aus einer schönen Produktidee ein komplexes Nachhaltigkeitsthema.

Fakt Details zu Rezemo
Unternehmen rezemo GmbH
Gründer Julian Reitze und Stefan Zender
Herkunft Filderstadt / Region Stuttgart, Baden-Württemberg
Produkt Kaffeekapseln aus Holzspänen bzw. Holzfasern und PLA
Bekannt durch „Die Höhle der Löwen“ im Jahr 2019
Positionierung Nachhaltigere Alternative zu Aluminium- und Kunststoffkapseln
Aktuelle Entwicklung Verkauf des Kaffeegeschäfts an Gliss Caffee im Jahr 2024

Quelle zur Unternehmensentwicklung: Menold Bezler über den Verkauf des rezemo-Kaffeegeschäfts.

Warum Kaffeekapseln überhaupt so stark kritisiert werden

Kaffeekapseln sind praktisch. Keine Mühle, kein Dosieren, kaum Dreck. Genau deshalb haben sie sich in vielen Küchen, Büros und Hotels durchgesetzt. Der ökologische Haken liegt im Verhältnis zwischen Inhalt und Verpackung.

In einer Kapsel steckt nur eine kleine Portion Kaffee. Trotzdem braucht jede Portion eine eigene Hülle. Bei Aluminium- oder Kunststoffkapseln entsteht dadurch sehr viel Verpackungsmaterial pro Tasse. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, dass auf wenige Gramm Kaffee ein unverhältnismäßig hoher Verpackungsanteil kommt. Gerade bei Einwegkapseln ist das problematisch, weil viele Kapseln nach einer einzigen Nutzung entsorgt werden.

Auch das Recycling löst nicht automatisch alles. Kapseln enthalten oft Kaffeereste, bestehen aus Verbundmaterialien oder werden falsch entsorgt. Das erschwert eine hochwertige Wiederverwertung. Selbst wenn Aluminium theoretisch recycelbar ist, muss die Kapsel dafür erst einmal im richtigen Sammelsystem landen und sauber genug verarbeitet werden können.

Hier setzt Rezemo an. Die Holz-Kaffeekapsel soll den Komfort des Kapselsystems erhalten, aber auf andere Rohstoffe setzen. Das ist der Kern der Idee: nicht den Kapselkaffee abschaffen, sondern die Kapsel selbst verändern.

Externe Quelle zur Kritik an Einweg-Kaffeekapseln: Deutsche Umwelthilfe zu Kaffeekapseln als Verpackungsproblem.

Interner Lesetipp: Wer sich allgemein für Kapselsysteme interessiert, findet weitere Beiträge in der Kategorie Kaffeepads und Kaffeekapseln.

Die Idee hinter der Kaffeekapsel aus Holz

Die Kaffeekapsel von Rezemo basiert auf einem einfachen, aber starken Gedanken: Holzreste aus regionalen Quellen sollen eine neue Funktion bekommen. Statt Aluminium oder erdölbasiertem Kunststoff werden Holzspäne beziehungsweise Holzfasern verwendet. Diese werden mit PLA verbunden, also Polymilchsäure. PLA ist ein Biokunststoff, der aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird.

Dadurch bekommt die Kapsel ihre Form, Stabilität und technische Nutzbarkeit. Sie muss schließlich in der Maschine funktionieren, Druck aushalten, den Kaffee sauber extrahieren und geschmacklich neutral bleiben. Eine Kapsel ist also kein simples Stück Verpackung. Sie ist ein kleines technisches Bauteil.

Besonders interessant ist der regionale Rohstoffansatz. Holzspäne fallen in Sägewerken und in der Holzverarbeitung ohnehin an. Werden solche Nebenströme sinnvoll genutzt, entsteht ein besserer Materialkreislauf. Genau das macht Rezemo aus redaktioneller Sicht spannend: Die Marke verbindet Kaffee, Verpackungstechnik und regionale Wertschöpfung.

Trotzdem sollte man sauber unterscheiden. Eine Kapsel aus nachwachsenden Rohstoffen ist nicht automatisch abfallfrei. Sie ist auch nicht automatisch die ökologisch beste Lösung gegenüber Filterkaffee, Siebträger oder Vollautomat. Aber sie kann innerhalb der Welt der Einwegkapseln ein besserer Materialansatz sein.

Bestandteil Funktion in der Kapsel Nachhaltigkeitsgedanke
Holzspäne / Holzfasern Hauptbestandteil der Kapsel Nutzung nachwachsender Rohstoffe und möglicher Holznebenprodukte
PLA-Biokunststoff Bindung, Formgebung und Stabilität Biobasierte Alternative zu fossilem Kunststoff
Kaffee Füllung der Kapsel Je nach Anbieter mit Fokus auf Bio, Qualität oder Rösthandwerk

Mehr zum Thema Zubereitung und Maschinen gibt es intern unter Kaffeemaschinen.

Wie nachhaltig sind Rezemo-Kapseln wirklich?

Die ehrliche Antwort lautet: nachhaltiger im Materialansatz, aber nicht automatisch perfekt in der Gesamtbilanz.

Positiv ist, dass Rezemo auf nachwachsende Rohstoffe setzt und Aluminium vermeidet. Das ist ein klarer Unterschied zu klassischen Aluminiumkapseln. Auch der Einsatz von Holzfasern ist ein starkes Signal, weil er den Blick auf Reststoffe und regionale Rohstoffkreisläufe lenkt.

Der kritische Punkt ist die Entsorgung. Viele Verbraucher verbinden Begriffe wie „biologisch abbaubar“ oder „kompostierbar“ automatisch mit der Biotonne. Genau das ist heikel. Das Bundesumweltministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass bioabbaubare Kunststoff-Kaffeekapseln nicht in den Bioabfall gehören. Auch das Umweltbundesamt betont, dass Kaffeekapseln und Kunststoffprodukte nicht in die Biotonne gehören, weil sie als Störstoffe die Verwertung von Bioabfällen verschlechtern können.

Das bedeutet für Verbraucher: Nicht einfach nach Gefühl entsorgen. Nicht nach Werbewort. Sondern nach kommunaler Vorgabe.

In vielen Fällen ist der Restmüll der realistischere Weg, wenn die Kommune keine klare Freigabe für solche Kapseln gibt. Das klingt erst einmal ernüchternd. Es ist aber besser, ehrlich zu sein. Nachhaltigkeit funktioniert nur, wenn das Produkt nicht nur im Marketing, sondern auch im Abfallsystem sauber eingeordnet wird.

Offizielle Quellen: BMUV zu Kunststoffen im Bioabfall, Umweltbundesamt zur richtigen Bioabfalltrennung und Verbraucherzentrale zur Biotonne.

Darf eine biologisch abbaubare Kaffeekapsel in die Biotonne?

Kurz gesagt: In Deutschland in der Regel nein.

Das ist einer der wichtigsten Punkte in diesem Artikel, weil er oft falsch verstanden wird. Eine Kapsel kann aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Bestandteilen bestehen und trotzdem nicht für die Biotonne geeignet sein. Der Grund liegt in den Abläufen der kommunalen Bioabfallverwertung.

Industrielle Kompostierungsanlagen arbeiten mit festen Zeiten, Temperaturen und Sortierprozessen. Viele kompostierbare Kunststoffe bauen sich unter diesen Bedingungen nicht schnell genug ab oder werden vorher als Störstoff aussortiert. Für die Anlagenbetreiber zählt nicht nur, was theoretisch abbaubar ist. Entscheidend ist, ob es praktisch in den Prozess passt.

Die Verbraucherzentrale warnt deshalb vor kompostierbarem Plastik in der Biotonne. Auch wenn ein Produkt entsprechend beworben wird, kann es in der Verwertung Probleme machen. Bei Kaffeekapseln kommt noch hinzu, dass sie als Verpackung oder Verbundprodukt wahrgenommen werden und oft mit Kunststoff verwechselt werden. Sortieranlagen behandeln solche Produkte deshalb häufig vorsichtig.

Für Rezemo heißt das: Die Materialinnovation bleibt interessant. Aber die Kommunikation zur Entsorgung muss glasklar sein. Wer solche Kapseln nutzt, sollte die Hinweise auf der Verpackung lesen und zusätzlich die Regeln des örtlichen Entsorgers prüfen.

Praktische Faustregel zur Entsorgung

  • Steht auf der Verpackung keine klare kommunale Entsorgungsfreigabe, gehört die Kapsel nicht automatisch in die Biotonne.
  • Bei Unsicherheit ist Restmüll oft die sicherere Wahl als Fehlwurf in den Bioabfall.
  • Der Kaffeesatz selbst ist Bioabfall, die Kapselhülle ist gesondert zu betrachten.
  • Heimkompost ist für PLA-Verbundkapseln keine verlässliche Entsorgungslösung.

Quelle: Verbraucherzentrale zu kompostierbaren Kunststoffen.

Bekannt durch „Die Höhle der Löwen“

Einem breiteren Publikum wurde Rezemo 2019 durch „Die Höhle der Löwen“ bekannt. Die Gründer Julian Reitze und Stefan Zender präsentierten dort ihre Kaffeekapsel aus Holz und suchten Kapital für den weiteren Ausbau. Der Auftritt passte perfekt in die damalige Debatte: weniger Plastik, weniger Aluminium, mehr Nachhaltigkeit im Alltag.

Die Idee kam gut an. Laut Berichten interessierten sich mehrere Investoren für das Startup. In der Sendung wurde über hohe Investments gesprochen. Nach der Aufzeichnung kam der große Deal jedoch nicht wie im Studio dargestellt zustande. Das ist bei TV-Formaten nicht ungewöhnlich. Nach der Sendung werden Zahlen, Verträge, Beteiligungen und strategische Details geprüft. Manchmal passt es dann nicht mehr.

Für Rezemo war der Auftritt trotzdem wertvoll. Die Marke bekam Sichtbarkeit. Viele Menschen hörten zum ersten Mal von Kaffeekapseln aus Holz. Genau dieser Bekanntheitsschub half, das Produkt im Markt nachhaltiger Kapsellösungen zu positionieren.

DHDL-Fakt Einordnung
TV-Auftritt Rezemo trat 2019 bei „Die Höhle der Löwen“ auf.
Gründer Julian Reitze und Stefan Zender
Produkt Kaffeekapseln aus Holzfasern bzw. Holzspänen
Investmentinteresse Mehrere Investoren zeigten Interesse.
Nachverhandlung Der große TV-Deal kam später nicht wie geplant zustande.
Markeneffekt Rezemo wurde deutschlandweit bekannt.

Quelle: deutsche-startups.de über Rezemo bei DHDL.

Geschäftsmodell: Privatkunden, Hotels, Büros und Röstereien

Rezemo war nie nur ein Produkt für private Kaffeetrinker. Der B2B-Markt spielte von Anfang an eine wichtige Rolle. Das ergibt Sinn. In Hotels, Büros, Konferenzräumen und kleinen Gastronomiebereichen werden Kapselmaschinen oft genutzt, weil sie sauber, schnell und einfach zu bedienen sind.

Genau dort ist der Müll aber besonders sichtbar. Wer jeden Tag viele einzelne Portionen Kaffee ausgibt, produziert viele Kapseln. Für Unternehmen mit Nachhaltigkeitsstrategie kann eine andere Kapsellösung deshalb attraktiv sein. Nicht, weil sie alle Probleme löst. Sondern weil sie ein besser erklärbarer Schritt ist.

Röstereien sind eine zweite spannende Zielgruppe. Sie können eigene Kaffees in eine nachhaltigere Kapsel bringen, ohne selbst eine komplette Kapseltechnologie entwickeln zu müssen. Das nennt man White-Label- oder Private-Label-Produktion. Für kleinere Röstereien kann das ein Türöffner sein, um Kunden zu erreichen, die weiterhin eine Kapselmaschine nutzen möchten.

Auch Hotels profitieren von der Story. Eine Kaffeekapsel aus Holz lässt sich Gästen leichter erklären als eine anonyme Aluminiumkapsel. Sie passt zu Bio-Frühstück, regionaler Beschaffung und einem glaubwürdigen Nachhaltigkeitskonzept. Aber nur dann, wenn die Entsorgung vor Ort sauber geregelt ist. Sonst kippt das Argument schnell.

Zielgruppe Warum Rezemo interessant sein kann
Privatkunden Kapselkaffee mit nachhaltigerem Materialansatz
Röstereien Eigene Kaffeesorten in alternativer Kapselverpackung
Hotels Nachhaltiger erklärbare Lösung für Zimmer und Frühstücksbereiche
Büros Einfacher Kaffeeausschank mit weniger Aluminium-Verpackung
Feinkosthandel Premiumprodukt mit erklärbarer Materialgeschichte
B2B-Kunden Imagegewinn durch Abgrenzung von klassischen Einwegkapseln

Interner Lesetipp: Mehr zu Bohnen, Röstungen und Sorten findest du in der Kategorie Kaffeesorten.

Preis und Alltagstauglichkeit

Nachhaltigere Kaffeekapseln sind meist teurer als einfache Standardkapseln. Das liegt an mehreren Punkten: neue Materialien, kleinere Produktionsmengen, technische Entwicklung, Zertifizierungen, Rohstoffauswahl und oft auch ein höherwertiger Kaffee. Historisch wurden Rezemo-Kapseln im Premiumsegment eingeordnet.

Für Verbraucher ist der Preis trotzdem ein harter Faktor. Wer täglich mehrere Tassen Kaffee trinkt, merkt wenige Cent Unterschied pro Kapsel schnell im Monatsbudget. Für gelegentlichen Kapselkaffee fällt der Mehrpreis weniger ins Gewicht. Genau deshalb ist Rezemo eher ein Produkt für Menschen, die Komfort und Nachhaltigkeit verbinden möchten und bereit sind, dafür etwas mehr zu zahlen.

Im B2B-Bereich sieht die Rechnung anders aus. Ein Hotel kann nachhaltigere Kapseln als Teil seines Markenauftritts nutzen. Ein Büro kann sie in ein internes Nachhaltigkeitskonzept einbauen. Eine Rösterei kann sich mit der Verpackung vom Wettbewerb abheben. Dort zählt nicht nur der Stückpreis. Dort zählt auch, welche Geschichte das Produkt erzählt.

Trotzdem bleibt eine nüchterne Wahrheit: Eine nachhaltige Kapsel muss schmecken, funktionieren und verfügbar sein. Wenn sie in der Maschine klemmt, der Espresso wässrig schmeckt oder die Nachbestellung schwierig ist, hilft das beste Material nicht. Alltagstauglichkeit entscheidet.

Rezemo, Gliss Caffee und die Entwicklung ab 2024

Ein wichtiger neuer Abschnitt in der Rezemo-Geschichte begann 2024. Die rezemo GmbH verkaufte laut Menold Bezler das Kaffeegeschäft inklusive der Wortmarke „rezemo“ an die Gliss Caffee GmbH mit Sitz in Köln. Gliss Caffee ist ein von Michael Gliss gegründeter Familienbetrieb, der Kaffee röstet und vertreibt.

Damit hat sich die Rolle der ursprünglichen Gründer verändert. Julian Reitze und Stefan Zender wollen sich nach dem Verkauf stärker auf nachhaltige Verpackungslösungen unter der Marke forewood konzentrieren. Das ist plausibel, denn die eigentliche Stärke von Rezemo lag nie nur im Kaffee. Sie lag in der Material- und Verpackungsidee.

Für Leser ist dieser Punkt wichtig, weil alte DHDL-Berichte allein nicht mehr den aktuellen Stand zeigen. Wer Rezemo heute bewertet, sollte die Marke daher zweigeteilt betrachten:

  • Rezemo als bekannte Kaffeemarke mit nachhaltigen Kapseln.
  • Rezemo beziehungsweise die ursprünglichen Gründer als Ausgangspunkt für neue Verpackungslösungen aus Holzfaser-Verbundmaterialien.

Auf der heutigen Produktseite von Gliss Caffee werden nachhaltige Kapseln und Bio-Kaffee angeboten. Dort wird auch auf eine unabhängige DIN-Certco-Zertifizierung in der Kategorie „biobasiert > 85 %“ verwiesen. Das ist für Käufer interessant, ersetzt aber nicht die Prüfung der korrekten Entsorgung vor Ort.

Quellen: Menold Bezler zum Verkauf an Gliss Caffee und Gliss Caffee.

Rezemo im Vergleich zu Aluminiumkapseln, Plastikkapseln und Filterkaffee

Wer Rezemo fair bewerten will, sollte nicht nur „gut“ oder „schlecht“ sagen. Sinnvoller ist ein Vergleich nach Nutzungssituation.

Gegenüber Aluminiumkapseln punktet Rezemo mit dem Verzicht auf Aluminium und dem Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Gegenüber klassischen Plastikkapseln ist der biobasierte Materialansatz ebenfalls ein Plus. Gegenüber Filterkaffee oder einem Vollautomaten bleibt aber der Nachteil der Einzelportion bestehen. Jede Tasse braucht eine eigene Kapsel.

Das heißt: Rezemo kann innerhalb der Kapselwelt eine bessere Alternative sein. Es ist aber nicht automatisch die ökologisch beste Kaffeezubereitung insgesamt.

System Vorteil Nachteil Einordnung
Rezemo-Kapseln Nachwachsende Rohstoffe, kein klassisches Aluminiumgehäuse Entsorgung erklärungsbedürftig, Einwegprodukt Interessante Alternative innerhalb der Kapselsysteme
Aluminiumkapseln Gute Aromabarriere, weit verbreitet Hoher Ressourcen- und Verpackungsaufwand Bequem, aber stark kritisiert
Kunststoffkapseln Günstig und maschinenkompatibel Fossile Rohstoffe, Recycling oft schwierig Preiswert, aber ökologisch schwach
Filterkaffee Wenig Verpackung pro Tasse, günstig Weniger portionsgenau, mehr manuelle Zubereitung Für viele Haushalte ökologisch sinnvoller
Vollautomat Bohnen statt Einzelkapseln, komfortabel Gerät teuer, Reinigung nötig Gute Lösung für Vieltrinker

Interner Lesetipp: Für mehr Praxiswissen zur Zubereitung lohnt sich die Kategorie Kaffee Zubereitung.

Was Käufer vor dem Kauf prüfen sollten

Rezemo klingt nach einer schnellen Lösung für nachhaltigen Kapselkaffee. Trotzdem sollte man vor dem Kauf ein paar Punkte prüfen. Das spart Enttäuschungen und verhindert falsche Erwartungen.

Achte zuerst auf die Maschinenkompatibilität. Nicht jede Kapsel passt zu jedem System. Viele nachhaltige Kapseln orientieren sich an gängigen Nespresso-kompatiblen Maschinen, doch Details können je nach Modell abweichen. Ein kurzer Blick in die Produktbeschreibung ist Pflicht.

Prüfe danach die Entsorgung. Das ist kein Nebenthema. Wenn du die Kapseln falsch entsorgst, kann aus einer nachhaltigen Idee ein Störstoff im Bioabfall werden. Lies die Verpackung und frage im Zweifel beim lokalen Entsorger nach.

Auch der Kaffee selbst zählt. Eine bessere Kapselhülle nützt wenig, wenn Aroma, Röstung und Frische nicht überzeugen. Gerade im Premiumsegment sollte der Kaffee mehr können als nur „nachhaltig“ klingen.

Kaufcheck für Rezemo-Kapseln

  1. Passt die Kapsel zu meiner Maschine?
  2. Gibt es klare Angaben zur Entsorgung?
  3. Ist der Kaffee bio, fair gehandelt oder nachvollziehbar beschafft?
  4. Wie hoch ist der Preis pro Kapsel?
  5. Gibt es Probierpakete?
  6. Wird die Kapsel im Alltag zuverlässig erkannt und sauber durchstochen?
  7. Gibt es aktuelle Informationen zum Anbieter und zur Marke?

Für wen sind Rezemo-Kaffeekapseln sinnvoll?

Rezemo ist vor allem für Menschen interessant, die bewusst Kapselkaffee trinken möchten. Wer bereits eine Kapselmaschine besitzt und nicht auf den Komfort verzichten will, bekommt mit Rezemo eine Alternative zu Aluminium- oder Standard-Plastikkapseln. Besonders gut passt das Produkt zu Gelegenheitskaffeetrinkern, kleinen Büros, Hotels und Röstereien mit Nachhaltigkeitsanspruch.

Weniger sinnvoll ist Rezemo für Menschen, die grundsätzlich möglichst wenig Einwegverpackung nutzen möchten. Dann sind Filterkaffee, French Press, Herdkanne, Siebträger oder Vollautomat meist die konsequentere Wahl. Auch wer sehr preisbewusst trinkt, wird bei klassischen Bohnen oder gemahlenem Kaffee günstiger fahren.

Die faire Einordnung lautet also: Rezemo ist kein Freifahrtschein für müllfreien Kaffee. Aber es ist ein cleverer Versuch, ein bestehendes Komfortprodukt materialseitig besser zu machen. Genau darin liegt der Wert der Marke.

Fazit: Rezemo ist eine starke Idee mit einem kritischen Haken

Rezemo zeigt, wie viel Innovationspotenzial in scheinbar banalen Produkten steckt. Eine Kaffeekapsel aus Holzspänen und PLA klingt klein. In Wirklichkeit berührt sie große Fragen: Welche Rohstoffe nutzen wir? Wie vermeiden wir Aluminium und fossilen Kunststoff? Wie ehrlich muss Nachhaltigkeitskommunikation sein? Und was passiert nach dem Gebrauch?

Der Materialansatz ist stark. Die Geschichte der Gründer ist glaubwürdig. Der Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ brachte verdient Aufmerksamkeit. Auch die spätere Verbindung mit Gliss Caffee zeigt, dass die Marke im Kaffeemarkt weitergedacht wurde.

Der kritische Haken bleibt die Entsorgung. Biobasiert bedeutet nicht automatisch Biotonne. Wer Rezemo-Kapseln nutzt, sollte diesen Unterschied kennen. Dann lässt sich das Produkt fair bewerten: als nachhaltigere Kapselalternative, nicht als perfekte Lösung für jedes Kaffeeproblem.

Für Kapselkaffee-Fans ist Rezemo spannend. Für konsequente Müllvermeider bleibt klassischer Kaffee ohne Einzelkapsel meist die bessere Wahl.

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